Neue PISA-Studie vor der Veröffentlichung - Antworten auf häufig gestellte Fragen zum deutschen Test

Am 3. Dezember wird die neue PISA-Studie veröffentlicht. Für Ihre Berichterstattung haben wir Antworten auf häufig gestellte Fragen zum deutschen Teil der Studie zusammengestellt. Gern steht Ihnen darüber hinaus das Team des Zentrums für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München (TUM), das den deutschen Studienteil erstellt, für Gespräche zur Verfügung.

 


Was wird getestet?

Das „Programme for International Student Assessment (PISA)“ untersucht alle drei Jahre, wie gut Schülerinnen und Schüler grundlegende Kompetenzen in alltäglichen Situationen anwenden können. Bei PISA geht es also nicht darum, auswendig Gelerntes abzufragen. Vielmehr zeigt die Studie, wie gut Jugendliche in ihrer Lebenswelt den Anforderungen einer Wissensgesellschaft gewachsen sind. Wissen anwenden zu können, ist außerdem eine Voraussetzung, um im Beruf weiter lernen zu können. In Deutschland und den meisten anderen Ländern erfasst die Studie diese Fähigkeiten kurz vor dem Ende der Pflichtschulzeit.

Untersucht werden die drei Bereiche Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften. Fähigkeiten in diesen Bereichen sind in allen teilnehmenden Staaten von großer Bedeutung für die gesellschaftliche Teilhabe und zudem international vergleichbar. Letzteres wäre zum Beispiel bei Geisteswissenschaften aufgrund der kulturellen Unterschiede deutlich schwieriger.

Jede Studie nimmt einen Bereich, die sogenannte Hauptdomäne, intensiver unter die Lupe. In der aktuellen Ausgabe ist das die Lesekompetenz. Am besten vergleichbar sind deshalb diejenigen PISA-Studien, die alle neun Jahre dieselbe Hauptdomäne haben, d.h. die aktuelle Ausgabe mit den 2010 und 2001 veröffentlichten Ausgaben (die nach dem Zeitpunkt der Tests PISA 2018, 2009 und 2000 heißen).

Zusätzlich werden die Lernbedingungen der Schülerinnen und Schüler untersucht, also beispielsweise ihr Interesse am jeweiligen Bereich, ihr Zutrauen in ihre Fähigkeiten, die Art des Unterrichts und das Verhältnis zu den Lehrkräften. Erfasst wird auch der soziale Hintergrund der Jugendlichen.


Was versteht die Studie unter Lesekompetenz?

Lesekompetenz umfasst die Fähigkeit, Texte zu verstehen, relevante Informationen zu finden, Texte zu bewerten und über sie zu reflektieren.

Diese Definition wurde seit der PISA-Studie 2009, als die Lesekompetenz zuletzt im Mittelpunkt stand, überarbeitet. Sie berücksichtigt nun stärker die Anforderungen, die das Lesen im Internet stellt: Neu aufgenommen wurden die Fähigkeit, Informationen durch das Navigieren auf Webseiten zu finden und zu vernetzen, sowie die Fähigkeit, die Glaubwürdigkeit von Texten zu beurteilen und widersprüchliche Informationen mehrerer Textquellen gegeneinander abzuwägen. Damit wird insgesamt dem Bewerten von Texten eine höhere Bedeutung eingeräumt.


Wer nimmt teil?

Für die aktuelle Studie wurden in Deutschland die Kompetenzen von rund 5.500 15-jährigen Schülerinnen und Schülern an rund 220 Schulen aller Schularten (die diese Altersstufe unterrichten) getestet. Die Stichprobe der Schülerinnen und Schüler ist repräsentativ. Die Schulen wurden zufällig ausgewählt, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in diesen Schulen ebenfalls. Die Tests fanden im April und Mai 2018 statt.

Befragt wurden außerdem je 15 Lehrerinnen und Lehrer aus dem Unterrichtsfach Deutsch sowie 20 Lehrkräfte anderer Fachrichtungen pro teilnehmender Schule, die Schulleiterinnen und Schulleiter sowie die Eltern der getesteten Schülerinnen und Schüler.

Für ergänzende Untersuchungen wurden parallel zur Hauptstudie pro Schule 15 Schülerinnen und Schüler einer Klasse der neunten Jahrgangsstufe getestet.

Weltweit nahmen 600.000 Schülerinnen und Schüler in 79 Ländern teil, darunter die Mitgliedsstaaten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD).


Wie wird getestet?

In einem zweistündigen Test bearbeiten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer Aufgaben mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad. Dabei handelt es sich sowohl um Fragen mit Multiple-Choice-Antworten als auch um frei zu beantwortende offene Fragen.

Seit 2015 findet der PISA-Test vollständig am Computer statt, viele Aufgaben sind interaktiv. Da sich das Antwortverhalten am Computer und auf Papier unterscheiden könnte, sind Vergleiche mit früheren PISA-Tests schwieriger als zuvor. Eine ergänzende deutsche Studie, die parallel zur aktuellen Erhebung veröffentlicht werden wird, untersucht diese Effekte.

Die Schülerinnen und Schüler füllen außerdem einen Fragebogen zu ihren Lernbedingungen aus. Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern füllen ebenfalls Fragebögen aus, vor allem zu Gestaltung und Ressourcen des Unterrichts sowie zur Rolle des Lesens in der Familie.

Zum Testen der Lesekompetenz werden verschiedene Textformate eingesetzt, zum Beispiel Zeitungsartikel, Romane, Briefe und Fahrpläne. Neu sind Aufgaben, bei denen mehrere Texte von verschiedenen simulierten Webseiten einbezogen werden müssen.

Die Aufgaben werden von einer internationalen Gruppe von Expertinnen und Experten des jeweiligen Bereichs erstellt und in einem mehrstufigen Verfahren getestet. Dazu gehört auch ein Feldtest mit Schülerinnen und Schülern, um zu prüfen, ob die Aufgaben für Jugendliche aller teilnehmenden Staaten gleichermaßen geeignet sind.

Ein Beispiel aus dem Feldtest, das auch für den eigentlichen Test typisch ist: Die Jugendlichen lesen zwei Webseiten – auf einer preist ein Milchvermarkter die Vorteile seiner Produkte, die andere warnt vor gesundheitlichen Nachteilen von Milch. Die Schülerinnen und Schüler sollen unter anderem beurteilen, ob bestimmte Aussagen Fakten oder Meinung darstellen und in welchen Punkten sich die Texte uneins sind.

Weitere Beispielaufgaben aus dem Feldtest und Aufgaben aus früheren PISA-Studien sind hier online:
http://www.pisa.tum.de/beispielaufgaben/
Aufgaben aus der aktuellen Studie können voraussichtlich am 3. Dezember veröffentlicht werden.


Wäre es nicht wichtiger, das erlernte Fachwissen der Schülerinnen und Schüler zu prüfen?

Sowohl Anwendungskompetenz als auch Fachwissen können wichtige Hinweise über die Qualität des Bildungssystems liefern. Deshalb untersucht beispielsweise die regelmäßige Studie „Bildungstrend“ des Instituts zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), inwieweit die Schülerinnen und Schüler die fachlichen Lernziele erreichen, die die deutschen Bundesländer in den Bildungsstandards vereinbart haben.

Die Autorinnen und Autoren der Bildungsstudien arbeiten regelmäßig zusammen, um Erkenntnisse aus der kombinierten Analyse der verschiedenen Fragestellungen zu ziehen.


Werden Schülerinnen und Schüler zu oft durch Bildungstests beansprucht?

Nur wenige Kinder und Jugendliche nehmen überhaupt einmal an einer Bildungsstudie teil. Die PISA-Studie testet alle drei Jahre rund 6.000 von insgesamt mehr als acht Millionen Schülerinnen und Schülern in Deutschland. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entsteht kein zusätzlicher Prüfungsdruck: Sie müssen sich nicht auf den Test vorbereiten und die Schulen erhalten keinen Einblick in die einzelnen Testergebnisse.


Wie haben sich Leistungen der deutschen Jugendlichen bis 2015 entwickelt?

Beim ersten PISA-Test im Jahr 2000 waren die Leistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler in allen Bereichen schlechter als der Durchschnitt in den OECD-Staaten. In den folgenden Studien verbesserten sich ihre Kompetenzen und blieben anschließend über dem OECD-Durchschnitt, ohne aber die Gruppe der Länder mit den besten Ergebnissen zu erreichen. In kaum einem anderen OECD-Staat war es gelungen, vergleichsweise niedrige Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler auf ein hohes Niveau anzuheben, das konstant blieb.

Auch bei den Jugendlichen mit Migrationshintergrund verbesserten sich die Ergebnisse in Lesen und Mathematik. Sie hatten allerdings zuletzt nach wie vor niedrigere Kompetenzen als die 15-Jährigen ohne Migrationshintergrund.

Die Leistungen bei PISA 2018 werden am 3. Dezember 2019 vorgestellt.


Was sagt die Platzierung Deutschlands in der Rangliste der teilnehmenden Staaten aus?

Bildet man eine Rangliste nach den Punktzahlen, die die Schülerinnen und Schüler der einzelnen Staaten erreicht haben, dann sind die einzelnen Plätze in der Rangliste nur eingeschränkt aussagekräftig. Der Grund: Die Unterschiede zwischen den Punktzahlen können so gering sein, dass sie statistisch nicht signifikant sind. Sinnvoll ist deshalb der Vergleich eines Staates mit dem Durchschnitt oder die Einteilung in gutes, mittleres und schlechtes Drittel o.ä.

Vergleiche im deutschen Studienbericht beziehen sich auf die OECD-Staaten, nicht auf die anderen teilnehmenden Länder, bei denen einige Faktoren Vergleiche erschweren. Beispielsweise nehmen in manchen Staaten nur einzelne Regionen teil.

Bei Schlussfolgerungen aus den Vergleichen empfehlen die Studienautorinnen und -autoren, zu beachten, dass es kein allgemeingültiges Bildungsmodell gibt, das zu allen Kulturen passt, und dass es kaum möglich ist, das Bildungssystem eines Landes vollständig auf ein anderes zu übertragen.


Werden die deutschen Bundesländer miteinander verglichen?

Nein, die Studie bezieht sich auf Deutschland als Ganzes und hat keine Aussagekraft für einzelne Bundesländer.


Wer führt die PISA-Studie durch?

Das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München (TUM) führt den deutschen Teil der Studie im Auftrag der Kultusministerkonferenz und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung durch. Am ZIB sind neben der TUM das Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation (DIPF) und das Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und Mathematik (IPN) beteiligt. Projektleiterin ist Prof. Kristina Reiss (TUM).

Die internationale Gesamtstudie wird von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) koordiniert.


Kontakt:
Prof. Dr. Kristina Reiss
Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien (ZIB) an der Technischen Universität München (TUM)
Tel: +49 89 289 25399
kristina.reiss@tum.de


Die Ergebnisse von PISA 2018 werden am 3.12.2019 in der Bundespressekonferenz in Berlin vorgestellt. Die TUM wird die Ergebnisse in einer Pressemitteilung zusammenfassen.