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"Zwischen Reaktortechnik, Psychometrie und Rechtstheorie. Überlegungen zu einer Geschichte der Risikoforschung in der BRD": Vortrag S. Esselborn im OS TUM/DM


Unter den zahlreichen Umbrüchen, welche die 1970er Jahre mit sich brachten, gehört der Aufstieg des „Risikos“ aus technikgeschichtlicher Sicht mit zu den folgenreichsten. Obwohl der Begriff eine lange, bis ins Mittelalter zurückreichende Geschichte besitzt, begann die systematische Produktion und Verwendung probabilistischen Risikowissens zur politisch-administrativen Einhegung von (technischen, natürlichen und sozialen) Gefahren und Unsicherheiten erst gegen Ende der 1960er Jahre. Vor allem zwischen Mitte der 1970er und Anfang der 1980er Jahre etablierte sich in beeindruckender Geschwindigkeit ein neues Forschungs- und Geschäftsfeld, das eine Vielzahl höchst unterschiedlicher Disziplinen und Ansätze unter dem Vorzeichen des neuen Paradigmas integrierte. Dabei lieferte die Risikoforschung nicht nur technische Berechnungen, sondern verstand sich – ähnlich wie zuvor beispielsweise die Systemanalyse oder die Futurologie – von Beginn an als Lieferant politisch und regulatorisch nutzbaren Entscheidungswissens.
Wie lässt sich dieses seltsame Forschungsfeld vor dem Hintergrund seiner Heterogenität, Interdisziplinarität und Transnationalität historisch einordnen und erforschen? Welche Akteure und Institute sind in diesem Kontext von besonderer Bedeutung? Gab es ein spezifisch „bundesdeutsches Modell“ der Risikoforschung, und wodurch zeichnete sich dieses aus? Was lässt sich aus der Geschichte der Risikoforschung und ihrer Anwendung für die Zeitgeschichte der Bundesrepublik lernen? Auf diese und ähnliche Fragen, die für das aktuelle Forschungsprojekt des Vortragenden eine entscheidende Rolle spielen werden, sollen einige Antworten skizziert werden.