Forschung zu Inklusion an der TUM

Forschung zu Inklusion an beruflichen Schulen

Dr. Susanne Miesera

Inklusion an beruflichen Schulen – Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen von angehenden Lehrkräften im internationalen Vergleich

Schulische Inklusion konfrontiert Lehrkräfte mit neuen Aufgaben, für deren Bewältigung komplexe Kompetenzen nötig sind. Die Umsetzung von inklusiven Unterricht, zur Sicherstellung des gemeinsamen Lernens von Schülern und Schülerinnen mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf, bedarf umfassender beruflicher Handlungskompetenzen wie Diagnostik-, Förder- und Beratungskompetenzen und die Bereitschaft zum Arbeiten in multiprofessionellen Teams. Die berufliche Handlungskompetenz ist nach dem Modell von Baumert und Kunter (2006) neben den Kompetenzfacetten Wissen und Können auch durch die Persönlichkeitsmerkmale Werthaltungen, Überzeugungen und selbstregulative Fähigkeiten geprägt. Diese publikationsbasierte Dissertation hat den Fokus auf den beiden Persönlichkeitsmerkmalen Einstellung und Selbstwirksamkeit in Hinsicht auf Inklusion. Zielgruppe dieser Forschung sind angehende Lehrkräfte an beruflichen Schulen. Berufliche Schulen standen bisher selten im Mittelpunkt inklusiver Forschung, wenngleich diese Schulart besonders mit der Diversität der Lernenden konfrontiert ist. Bisherige Studien an allgemeinbildenden Schulen zeigen die Bedeutsamkeit von positiven Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen für eine gelingende Implementation von Inklusion. Diese Dissertation beschäftigt sich mit der Übertragbarkeit der empirischen Forschungsergebnisse anhand von Länder- und Lehramtsvergleichen. Darüber hinaus werden Faktoren beachtet, die Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen beeinflussen. Der Deutschland-Kanada-Vergleich belegt signifikante Unterschiede zwischen deutschen und kanadischen angehenden Lehrkräften und er zeigt die Bedeutsamkeit von Erfahrung als wichtiger Prädiktor von Selbstwirksamkeit. Im nationalen Lehramtsvergleich zeigt sich, dass Studierende des Lehramts Sonderpädagogik gegenüber angehenden allgemeinbildenden Lehrkräften und Berufsschullehrkräften positivere Einstellungen und Selbstwirksamkeit ausdrücken. Eine Längsschnittstudie dokumentiert die signifikante Veränderung von Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen nach dem Besuch von Lehrveranstaltungen mit inklusiver Didaktik und Methodik. Zusammenfassend wird mit den drei Studien die Bedeutung von Praxiserfahrungen und des Besuchs von inklusionsorientierten Lehrveranstaltungen aufgezeigt.

Auszug Dissertation Susanne Miesera

Miesera, S. (2018). Inklusion an beruflichen Schulen – Einstellungen und Selbstwirksamkeitserwartungen von angehenden Lehrkräften im internationalen Vergleich, Dissertation; Volltext: http://mediatum.ub.tum.de?id=1446301 

Miesera, S., Weidenhiller, P. (2018) Technischer Bericht / Technical Report: Forschungsinstrument zur Erfassung von Einstellung und Selbstwirksamkeit von Lehrkräften betreffend Inklusion an beruflichen Schulen. DOI: 10.13140/RG.2.2.35947.23841 . Online verfügbar unter: https://mediatum.ub.tum.de/doc/1446728/1446728.pdf

Forschung zu Inklusion an Gymnasien

Patrizia Weidenhiller

Bisher wurde der Zusammenhang, wie Inklusion an bayerischen Gymnasien umgesetzt wird und welchen Einfluss die Digitalisierung im Unterricht auf die Umsetzung inklusiver Lernumgebungen hat, noch nicht systematisch untersucht.

Zur Untersuchung inklusiver Unterrichtssettings in naturwissenschaftlichen Fachrichtungen wird eine Quasi-Längsschnittstudie mit Studierenden und Lehrkräften durchgeführt. Dazu schätzen die Probanden das eigene unterrichtliche Vorgehen im Hinblick auf Heterogenität im Fachunterricht anhand eines Fragebogens ein, welcher von der Skalen 'Inclusive Practices Rating Scale' und 'Inclusive Practices Classroom Observation Scale' adaptiert wurde (Loreman, Sharma, Sokal, & Forlin unveröffentlicht; Sharma & Sokal 2016). Der Einfluss von Praxiserfahrungen auf die Selbstwirksamkeitserwartung und die Umsetzung inklusiver Praxis wird im experimentellen Design kontrolliert. Darüber hinaus werden die Konzepte der Schulen untersucht, ob diese ein inklusives Unterrichten flächendeckend unterstützen und die Umsetzung nicht auf einzelne Lehrkräfte und Klassen beschränken. Zur Untersuchung der inklusiven Schulentwicklung werden die Inklusionskonzepte der bayerischen Gymnasien mit Schulprofil Inklusion erfasst und digitale Konzepte zur Inklusion und der Einsatz assistiver Technologien für Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf betrachtet. Der Vergleich mit dem voll-inklusiven kanadischen Schulsystem dient zur Erarbeitung von inklusionsfördernden digitalen Konzepten, die verschränkt mit den Ergebnissen der ersten Studie in die universitäre Lehrerbildung und in Fortbildungsmaßnahmen implementiert werden sollen.

Loreman, T., Sharma, U., Sokal, L., & Forlin, C. (unveröffentlicht): A Survey of Educators' Perceptions about Inclusive Education.

Sharma, Umesh; Sokal, Laura (2016): Can Teachers’ Self-Reported Efficacy, Concerns, and Attitudes Toward Inclusion Scores Predict Their Actual Inclusive Classroom Practices? In: Australas. j. spec. educ. 40 (01), S. 21–38. DOI: 10.1017/jse.2015.14

Vernetzte Forschung

Inklusion in der Lehrerbildung: Schulartübergreifende Forschung berufliche und naturwissenschaftliche Bildung

Inklusion von Schülerinnen und Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf ist im bayerischen Erziehungs- und Unterrichtsgesetz als Aufgabe aller Schulen verankert. Dadurch verändern sich die Schullandschaften und die Heterogenität der Schüler in den Klassen nimmt zu und verändert sich schulartspezifisch. Ziel dieser Studie ist es, den Einfluss der Wahl des Studienganges, und somit der Entscheidung für eine Schulart, am Beispiel berufliche und naturwissenschaftliche (gymnasiale) Bildung auf Einstellung, Bedenken, Selbstwirksamkeits-annahme und Selbsteinschätzung in der praktischen Umsetzung von Inklusion zu untersuchen. Dafür wurden Lehramtsstudierende der beruflichen und naturwissenschaftlichen Bildung an der Technischen Universität München (Bayern) befragt und die Ergebnisse mit den Angaben von Lehramtsstudierenden mit vergleichbarer Studienausrichtung an der Technischen Universität Dortmund (Nordrhein-Westfalen) verglichen. Für die Umfrage wurden deutsche Übersetzungen der international zur Inklusionsforschung eingesetzten Skalen AIS und ITICS zur Erfassung von Einstellungen, CIES zur Erfassung von Bedenken, TEIP zur Erfassung der Selbstwirksamkeitsannahme und eine neue Form der Skala IPCOS zur Erfassung der eigenen Praxiseinschätzung verwendet. Es ergaben sich keine signifikanten Unterschiede zwischen den Studiengängen berufliche Bildung und Lehramt für Gymnasien an der TU München, sowie im Vergleich der Bundesländer. Andere Einflussfaktoren wie die absolvierten Schulpraktika und der Besuch von Lehrveranstaltungen mit dem Fokus Inklusion hingegen wurden als Einflussfaktoren, auf die Selbsteinschätzung in der praktischen Umsetzung bzw. auf die Selbstwirksamkeitsannahme im Bereich Inklusion anhand der Stichprobe der TU München identifiziert.

Weidenhiller, Patrizia (2018): Inklusion in der Lehrerbildung in Bayern. Eine vergleichende empirische Studie zu Einstellung und Selbstwirksamkeitsannahmen von Studierenden des gymnasialen und beruflichen Lehramts. Master's Thesis. Online verfügbar unter https://mediatum.ub.tum.de/doc/1446536/1446536.pdf

Gebhardt, M., Miesera, S., Weidenhiller, P. & Jungjohann, J. (2018). Technischer Bericht / Technical Report: Einstellung, Bedenken und Selbstwirksamkeitserwartung von Lehramtsstudierenden zur schulischen Inklusion. DOI: 10.17877/DE290R-18869 . Online verfügbar unter: http://hdl.handle.net/2003/36870 (zuletzt überprüft am 28.06.2018)