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Bildung für nachhaltige Entwicklung – Seit 20 Jahren fester Bestandteil der beruflichen Lehrerbildung an der TUM School of Education

17.07.2018


Studierende arbeiten am Thema Energiesparen

An der Technischen Universität München (TUM) existiert mittlerweile seit 20 Jahren ein Wahlpflicht-Seminar zum Thema „Umweltbildung“ für das berufliche Lehramt. Es findet seit 1998 jährlich geblockt an vier Tagen im Sommersemester mit ca. 20 Studierenden statt. Seminarort ist die Fritz-Putz-Hütte (1185 m), eine Alpenvereinshütte mit Selbstversorgung der Sektion Füssen im Naturschutzgebiet Ammergebirge.

Ziele des Seminars sind, angehende Lehrkräfte an beruflichen Schulen für ihre Aufgaben in der Bildung für eine nachhaltige Entwicklung zu sensibilisieren und Umsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Dazu werden Grundlagen der Umweltbildung einschließlich psychologischer Erklärungszusammenhänge für das umweltbezogene Verhalten von Menschen erarbeitet, Konzepte für den Unterricht thematisiert, verschiedene Methoden erprobt und eine breite Palette umweltrelevanter Themen bearbeitet.

Theoretische Inhalte des Seminars sind durchgängig mit unmittelbaren Naturbegegnungen verknüpft. In Kooperation mit dem Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kaufbeuren, Außenstelle Füssen, beginnt das Seminar mittlerweile traditionell am Pfingstmontag mit einer Führung im Walderlebniszentrum „Ziegelwies“ in Füssen. Die Studierenden erleben dabei Möglichkeiten einer Umweltbildung für verschiedene Altersgruppen. Nach der Führung erfolgt der ca. zweistündige Anstieg zur Hütte.

Der Ablauf und die inhaltliche Ausgestaltung des Seminars haben sich im Lauf seiner nun 20jährigen Geschichte weiterentwickelt. In den ersten Jahren war das Pflanzen von Baumsetzlingen wie Fichte, Tanne und Mehlbeere im erodierten und schwer zugänglichen Steilgelände an den Berghängen des Talkessels ein fester Bestandteil des Seminars. Dabei wurden mehrere hundert Setzlinge per „Muskelkraft“ in die Pflanzzonen gebracht und unter Anleitung eines Försters eingepflanzt, um die Schutzfunktion des Waldes in den gefährdeten Regionen zu erhalten bzw. zu stärken. Aufgrund des organisatorischen Aufwandes mussten diese Pflanzaktionen eingestellt werden. Auch inhaltlich hat die Seminarplanung auf Entwicklungen bei relevanten Umweltthemen reagiert und jeweils besonders aktuelle Themen zum Gegenstand des Seminars gemacht.

Die meisten der Seminarteilnehmer der zurückliegenden 20 Jahre sind mittlerweile etablierte Lehrkräfte an beruflichen Schulen, einige befinden sich derzeit noch im Referendariat oder schließen ihr Studium absehbar ab. Die Hoffnung ist, dass dieses Seminar zur Umweltbildung den an der TUM ausgebildeten Lehrkräften einige Impulse geben konnte, die in ihren Schulalltag und ihre Tätigkeit einmünden. Dies wäre insbesondere wichtig, da umweltrelevante Themen selbstverständlich in den Lehrplänen beruflicher Schulen sowohl als Richtziele aber auch als konkrete Inhalte verankert sind, zumeist aber doch relativ wenig explizit im Unterricht thematisiert werden.

Alfred Riedl

Zum Artikel erschienen in vlbakzente 07/2018 von Prof. Dr. Alfred Riedl und Dr. Michaela Vögele