Technische Universität München
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Bundesweite „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“: TUM School of Education überzeugt mit „Teach@TUM“

04.03.2015


Erfolg für die Technische Universität München (TUM) bei der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“: Ihr Konzept wird von Bund und Ländern in den nächsten drei Jahren mit rund 5,4 Millionen Euro gefördert. Die TUM School of Education wird u.a. einen Studiengang einrichten, der sowohl Masterstudium als auch Referendariat umfasst. Eine „Toolbox“ wird online digitale Unterrichtswerkzeuge anbieten. Und ein „Clearing House“ soll neue Forschungsergebnisse zum  Unterricht in MINT-Fächern aufbereiten und Lehrern zur Verfügung stellen.   

Das Konzept „Teach@TUM“ besteht aus der Integration von Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Erziehungswissenschaft und Schulpraxis. Als erste deutsche Universität hatte die TUM 2009 mit der School of Education eine Fakultät gegründet, die Lehrerbildung und Bildungswissenschaften unter einem Dach vereint und die Lehrerbildung hochschulweit steuert. „Wir wollen den Weg konsequent weitergehen, alle Akteure der Lehrerbildung zusammenzubringen und gemeinsam den Unterricht nach empirischen Erkenntnissen zu verbessern“, sagt Prof. Kristina Reiss, Dekanin der TUM School of Education. „Mit unserem neuen Konzept bleiben wir dabei experimentierfreudig.“

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka und die Vorsitzende der Gemeinsamen Wissenschaftskonferenz Vera Reiß verkündeten heute in Berlin, dass in der ersten Förderphase der „Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ 19 von 80 eingereichten Anträgen gefördert werden. Das Konzept der TUM besteht aus vier Teilen:  

Integrierter Studiengang „Berufliches Lehramt Elektro- und Informationstechnik / Metalltechnik“
Der Modellversuch geht zwei Probleme an: Zum einen herrscht ein gravierender Lehrermangel in den technischen Fächern der Beruflichen Schulen. Zum anderen sind die Lehramtsausbildung an der Universität und die Referendariate nicht immer optimal aufeinander abgestimmt. Der geplante integrierte Studiengang „Berufliches Lehramt Elektro- und Informationstechnik / Metalltechnik“ umfasst sowohl einen Masterabschluss als auch das Referendariat. Durch die bessere Abstimmung wird es möglich, die beiden Phasen in drei statt vier Jahren zu absolvieren. Dadurch soll das Lehramtsstudium attraktiver für Quereinsteiger sein, die einen Bachelorstudiengang in einem der entsprechenden Fächer studiert haben. Gleichzeitig erwartet die TUM durch die intensivere Zusammenarbeit zwischen Universität und Schulen eine Qualitätssteigerung in der Ausbildung.  

Toolbox „Lehren und Lernen im digitalen Zeitalter“
Digitale Medien bieten neue Möglichkeiten, den Unterricht und die Lehrerausbildung zu gestalten. Beispielsweise haben Bildungswissenschaftlerinnen der TUM ein Programm entwickelt, mit dem angehende Lehrerinnen und Lehrer anhand von Videos testen können, ob sie Situationen im Unterricht richtig einschätzen können. Die TUM School of Education will nun solche Module für alle Phasen der Lehrerbildung online und öffentlich zugänglich bereitstellen.  

Clearing House „MINT-Unterricht und evidenzbasierte Lehrerbildung“
Im stressigen Berufsalltag fällt es schwer, die Fülle an neuen und teils widersprüchlichen Forschungserkenntnissen der eigenen Disziplin zu verfolgen und einzuordnen. In der Medizin haben sich deshalb sogenannte Clearing Houses etabliert, die den Forschungsstand sichten und für die Berufspraktiker verständlich aufbereiten. Eine solche Stelle wird die TUM School of Education für den Unterricht in den MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) einrichten – erstmals in Deutschland. Sie soll Lehrerinnen und Lehrern ermöglichen, ihren Unterricht evidenzbasiert zu gestalten.  

Neue Curricula: Verknüpfung von Fachwissenschaft, Fachdidaktik, Erziehungswissenschaft und Schulpraxis
Seit ihrer Gründung hat die TUM School of Education neue Curricula für die Lehramtsstudiengänge entwickelt, die Fachwissenschaft, Fachdidaktik und Erziehungswissenschaft stärker miteinander verknüpfen. Ziel ist es, die Ausbildung konsequent an den notwendigen Kompetenzen für die Schulpraxis auszurichten. Die bislang besonders gut funktionierenden Modelle will die TUM School of Education in den nächsten Jahren auf alle Studiengänge übertragen. Dabei werden die neuen Curricula auch stärker auf die Förderung benachteiligter Schüler, inklusive berufliche Bildung und  interkulturelle Erziehung ausgerichtet.  

TUM-Präsident: Lehrerausbildung gehört zu wichtigsten Aufgaben der Universitäten 

„Die Zukunft unseres Landes hängt maßgeblich von guten und motivierten Lehrerinnen und Lehrern ab“, sagt TUM-Präsident Prof. Wolfgang A. Herrmann. „Deshalb ist die Lehrerausbildung, basierend auf empirischen Forschungsergebnissen, eine zentrale Aufgabe der Universitäten. Professionalität und Qualität des Lehramtsstudiums wurden in Deutschland viel zu lange vernachlässigt. Mit der TUM School of Education haben wir eine Vorreiter-Rolle eingenommen, die sich auch in der ,Qualitätsoffensive Lehrerbildung’ bestätigt hat.“ Herrmann hätte sich allerdings gewünscht, dass dieser Wettbewerb schärfer ausgetragen würde, um die Bedeutung der Lehrerbildung politisch stärker zu fokussieren.  

Hintergrund:
Bei ihrer Gründung 2009 war die TUM School of Education die erste deutsche Fakultät, die fächerübergreifend die Verantwortung für das gesamte Lehramtsstudium einer Universität erhielt. Die Forschungserkenntnisse der Bildungswissenschaftler der Fakultät fließen unmittelbar in das Studium sowie in Lehrerfortbildungen ein. Zudem werden die Studierenden bereits ab dem ersten Semester mit Praktika an die Unterrichtspraxis herangeführt. Über ein enges Kooperationsnetz findet ein intensiver Austausch mit Schulen statt. Das Zentrum für internationale Bildungsvergleichsstudien verantwortet das Projektmanagement für den deutschen Teil der PISA-Studien 2012 und 2015.