„Unsere Lehramtsstudierenden sind stolz auf ihren zukünftigen Beruf“ - Prof. Sing Kong Lee, Direktor des National Institute of Education (NIE) aus Singapur auf der 6. Konferenz „Leaders in Education Programme (LEP) – Quality Management and Leadership“
Die TUM School of Education und der Bayerische Philologenverband waren die diesjährigen Gastgeber der Konferenz. Sie wurde im Jahr 2005 durch das NIE, einer weltweit angesehenen Lehrerbildungseinrichtung, ins Leben gerufen und richtet sich primär an Schulleiter und Führungspersönlichkeiten in der Kultusverwaltung. Die letzten fünf Konferenzen fanden in Thailand, in Vietnam, in Brunei, auf den Philippinen und in Kambodscha statt.
Die Konferenzteilnehmer, darunter Schulleiterinnen und Schulleiter der Referenzschulen der TUM School of Education und mehr als 30 Gäste aus Asien, wurden durch die TUM-Vizepräsidentin Prof. Dr. Ing. Liqiu Meng, den Dekan der TUM School of Education, Prof. Dr. Manfred Prenzel, und den Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbandes, Max Schmidt, begrüßt.
Den einführenden Vortrag hielt Prof. Sing Kong Lee. Er betonte in seiner Rede, wie wichtig es sei, dass die verschiedenen Bildungsinstitutionen in einem Land stimmig zusammenarbeiteten, dann erst sei ein erfolgreiches Bildungssystem gewährleistet. Auf der politischen Ebene müssten die große Linie festgelegt und Grundwerte, z.B. die Achtung vor Unterschiedlichkeit, definiert werden. Das NIE als einzige Einrichtung für Lehrerbildung in Singapur müsste die Werte an ihre Studierenden vermitteln, die diese dann in ihrem Beruf an die Schülerinnen und Schüler weitergeben. „Das NIE hat damit eine große Verantwortung für die Gesellschaft, denn es stellt eine Schnittstelle zwischen der Politik und den Schulen dar“, so Lee. Einen weltweiten Trend sieht der Bildungsforscher weg vom Frontalunterricht hin zu Gruppenunterricht und selbstgesteuertem Lernen. Um diesen Paradigmenwechsel umsetzen zu können, wurde das NIE teilweise auch räumlich neu gestaltet. Die Seminarräume böten nun mehr Sitzgelegenheiten, um gemeinsam zu diskutieren. In der Bibliothek solle nicht nur Ruhe herrschen, sondern eine Cafeteria lasse Raum für Austausch. Diese Umgestaltung des Raumes inspirierte die Dozierenden, ihr Lehrverhalten zu ändern, was wiederum die Lehramtsstudierenden dann als neues Lehrkonzept an die Schulen mitnehmen könnten. Ein Ziel sei es, „self-directed learner“ auszubilden, die Verantwortung für ihre Ausbildung übernähmen. Diese Einstellung hätten sich die Studierenden am NIE angeeignet und eigene Regeln aufgestellt, zum Beispiel eine Kleiderordnung. Sie wollen damit das Image des Lehrerberufs steuern und aufwerten, denn sie signalisieren: „Wir sind stolz auf unseren Beruf“.
Die Konferenz wurde abgerundet mit Vorträgen von Prof. Dr. Prenzel über das SINUS-Projekt (Steigerung der Effizienz des mathematisch-naturwissenschaftlichen Unterrichts). Eine herausragende Rolle im Projekt SINUS spielte die Kooperation zwischen den Lehrkräften. In Schulverbünden entwickelten Lehrerinnen und Lehrer unter wissenschaftlicher Begleitung ihre Unterrichtsmethodik weiter. Reflexion und Evaluation des eigenen Unterrichts waren zentrale Elemente. Die Schulsets wurden von Koordinatorinnen und Koordinatoren betreut, die eng auf Länder- und Bundesebene zusammenarbeiteten.
Prof. Dr. Seidel (TUM School of Education) hielt einen Vortrag über das Thema Unterrichtseffektivität. Der Schwerpunkt ihres Vortrags lag auf der videobasierten Analyse von Lehr- Lern-Prozessen und deren Wirkungen auf das Lernen. Der Einsatz von Videos hat sich als ein effektives Werkzeug zur Unterstützung professionellen Lernens bei Lehrpersonen herausgestellt.
Prof. Dr. Baptist (Universität Bayreuth) referierte über das von der Europäischen Union geförderte Fibonacci Projekt. Hauptziel des Projektes ist die Umsetzung sowie die Förderung forschend-entdeckender Methoden im mathematischen und naturwissenschaftlichen Unterricht. Durch vermehrte Eigentätigkeit der Schülerinnen und Schüler soll insbesondere die Nachhaltigkeit des Lernens gestärkt werden.
An den weiteren Tagen besuchten die ausländischen Konferenzteilnehmer die Städtische Berufsschule für Zahntechnik, Chemie-, Biologie- und Drogerieberufe, um zu erfahren, wie in Deutschland auch Arbeitskräften ohne akademische Ausbildung eine hohe Wertschätzung entgegengebracht wird. Außerdem stand ein Besuch des Pharmaunternehmens Roche, der HypoVereinsbank und des Deutschen Museums mit Empfang des Direktors Prof. Dr. Wolfgang Heckl auf dem Programm. Großes Interesse weckte auch eine Besichtigung des Schülerforschungszentrum (SFZ) Berchtesgadener Land. Das SFZ will Kindern und Jugendlichen helfen ihre Talente zu entdecken und zu entwickeln. Es vereinigt zwei Arten sogenannter außerschulischer Lernorte: Schülerlabor und Schülerforschungszentrum.
